...ich mich scheiden lassen möchte?

Das Trennungsjahr

Grundsätzlich muss man ein sog. Trennungsjahr verlebt haben, das bedeutet, dass man vom Ehegatten mindestens ein Jahr lang von Tisch und Bett getrennt gelebt haben muss, bevor man die Scheidung beantragen kann.

 

Problematisch kann es werden, wenn man noch gemeinsam in einer Wohnung oder einem Haus lebt, obwohl man sich als Paar getrennt hat. In den meisten Fällen ist es aber auch dann so, dass das Trennungsjahr schon beginnt. Hier sollte man sich sicherheitshalber anwaltlich beraten lassen.

 

Sollte man nicht schon vorher einen Anwalt aufgesucht haben, dann sollte man ungefähr ein dreiviertel Jahr nach der Trennung einen Termin mit einem Anwalt machen, um die Einreichung des Scheidungsantrages zu besprechen.

Zwei Eheleute - ein Anwalt?

NEIN!

 

Ein Anwalt kann immer nur eine Partei vertreten. Gerade im Rahmen einer Scheidung kann es dazu kommen, dass ein Verfahren ganz einig beginnt und sich die Probleme erst im Laufe der Zeit zeigen. Dann würde ein Anwalt sofort Parteiverrat an demjenigen begehen, dessen Interessen er dann nicht mehr wahren kann.

 

Es ist also ein weit verbreiteter Irrtum, dass sich beide Ehegatten von einem Anwalt vertreten lassen können.

 

Allerdings braucht nur einer der Ehegatten einen Anwalt, wenn der andere keinen eigenen Scheidungsantrag stellen will. Denn der Scheidungsantrag kann nur durch einen Anwalt gestellt werden. Dieser führt das Verfahren für den Ehegatten, den er vertritt, der andere Ehegatte kann sich selbst vertreten und den Schriftwechsel mit dem Gericht führen oder natürlich ebenfalls einen eigenen Anwalt beauftragen.

 

Es empfiehlt sich jedoch dann einen eigenen Anwalt zu nehmen und einen Scheidungsantrag zu stellen, wenn man sicher stellen will, dass ein Scheidungsverfahren stattfindet. Denn derjenige, der einen Antrag stellt, kann ihn auch wieder zurück nehmen - ohne Antrag kein Verfahren.

Der Scheidungsantrag

Damit der Anwalt den Scheidungsantrag formulieren und einreichen kann, benötigt er von Ihnen

  • eine Eheurkunde im Original oder
  • eine beglaubigte Abschrift aus dem Familienbuch sowie -sollten Sie Kinder haben -
  • die Geburtsurkunden Ihrer minderjährigen Kinder im Original.

 

Außerdem muss er wissen, welche Staatsangehörigkeit Sie haben, welche Berufe Sie ausüben und wie hoch Ihr monatliches Nettoeinkommen ist.

 

Schließlich ist noch wichtig, wo Sie als Eheleute mit oder ohne Kinder wohnen und/oder  wo Sie zuletzt zusammen gewohnt haben.

 

All diese Angaben braucht das Gericht, um seine Zuständigkeit zu prüfen, den Streitwert und damit die Gerichtsgebühren festzusetzen, die Anwendbarkeit deutschen oder anderen Rechts zu prüfen.